“Wenn Du was erreichen willst, musst Du den Politikern auf die Füße treten!“
Mit diesem Motto trat Klara Franke (1911 — 1995), die Kiezmutter der Lehrter Straße, aktiv für die Interessen ihrer Mitbürger, für benachteiligte Gruppen der Gesellschaft und für gute Nachbarschaft ein. Sie war eine der am nachhaltigsten wirkenden Personen bei der Gestaltung des Moabiter Kiezes und der Lehrter Strasse. Durch die stagnierende Stadtteilentwicklung in den 80er Jahren und die Vernachlässigung der Sanierung der Häuser verließen alteingesessene Anwohner die Straße. Die Verbliebenen organisierten sich in Bürgerinitiativen und begannen Mißstände zu benennen: Die Lehrter Straße sollte wieder lebenswert gestaltet werden und Anwohnern eine Perspektive bieten.
1992 wurde Klara Franke mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr soziales Engagement ausgezeichnet. In der Lehrter Straße ist der Spielplatz neben der Kulturfabrik, der durch ihre Beharrlichkeit entstanden ist, nach ihr benannt.
Klara-Franke-Tag 2011:
Am 6. März 2011 wäre Klara Franke 100 Jahre alt geworden. Zum 100. Geburtstag wurde im Café der Kulturfabrik ein Geburtstagsfest Ihr zu Ehren gefeiert und der diesjährige Klara-Franke-Preisträger für bürgeschaftliches Engagement in Moabit geehrt: Norbert Onken.
Preisverleihung 2011
Am 6. März 2011 wurde im Rahmen des Klara-Franke-Tages der Klara-Franke-Preis für freiwilliges Engagement in Moabit an Norbert Onken verliehen. Mit dem Preis ehrt der Verbund für Nachbarschaft und Selbsthilfe Moabit seine langjährige Arbeit für den Kiez. Er setzt sich seit vielen Jahren als Quartiersrat in Moabit West dafür ein, dass die Mittel an Projekte vergeben werden, die wirklich nützlich für den Kiez sind. Nach langen Jahren als Elternvertreter engagiert er sich nun als externes Mitglied in der Schulkonferenz der 1. Gemeinschaftsschule Moabit, weil ihm Kinder am Herzen liegen. Er setzt sich für eine Integration ein, die diesen Namen auch verdient, nicht für Assimilation, sondern Begegnung auf Augenhöhe. Aus Sorge vor der rasanten Zunahme von Glückspielstätten in Moabit hat er sich zusammen mit dem Stadtteilplenum Moabit West mit einer Petition an die Politik gewandt, als dieses Thema noch nicht in aller Munde war. Er hat sich mit der B.I. Siemensstraße dafür eingesetzt, dass der Gastronomiegroßmarkt Hamberger mehr Rücksicht auf die gegenüberliegende Wohnbebauung nimmt. Er übt Kritik auf sachlich angemessene Weise, beharrlich vertritt er seine Überzeugungen auch dann, wenn er mit ihnen alleine steht. Lesen Sie die Laudatio von Jutta Schauer-Oldenburg.
Die Jury: Ingrid Thorius (Tochter von Klara Franke), Mustafa Fahim (Moabiter Ratschlag e.V.), Birgit Wächter (SHK Selbsthilfe-, Kontakt– und Beratungsstelle — Stadtrand), Manuela Klempp (Verein für eine Billige Prachtstraße-Lehrter Straße e.V.), Martin Dahmen (K3 — Frecher Spatz e.V.) und Getrude Köhlbach-Arabu (SOS-Kinderdorf Moabit, seit 2010 Mitglied im Verbund).
Klara-Franke-Preis
Der Verbund für “Nachbarschaft und Selbsthilfe Moabit” lobt in unregelmäßiger Folge im März anlässlich des Geburtstages von Klara Franke den “Klara-Franke-Preis” für Bürgerengagement und Zivilcourage in Berlin-Moabit aus. Zum siebten Mal wurde 2011 mit diesem Preis ein Mensch geehrt, der sich für seinen Stadtteil engagiert.
Wir fragen auch in Zukunft alle Moabiterinnen und Moabiter, egal ob jung oder alt:
“Wer lebt in Moabit und/oder engagiert sich für unseren Stadtteil und seine Menschen? Manchmal verbessern schon kleine Ideen die Lebensbedingungen. Wer setzt sich für benachteiligte Gruppen, soziale Zwecke und gute Nachbarschaft ein? Wer beteiligt sich am Leben im Kiez?” Postkarte zum Download.
Die Vorschläge sollen mit einer kurzen Begründung eingereicht werden beim Verein für eine billige Prachtstraße — Lehrter Straße e.V., c/o B-Laden, Lehrter Straße 27–30, 10557 Berlin, Tel./Fax 3975238, mail: b-laden@lehrter-strasse-berlin.net .
Im Jahr 2000 wurde der Klara-Franke-Preis erstmalig vom Moabiter Ratschlag verliehen. Preisträger waren bisher:
Jutta Schauer-Oldenburg für ihr Engagement für das Krankenhaus Moabit
Andreas Szagun für seine aktive Arbeit in verschiedenen Gruppen, z.B. Betroffenenrat Stephankiez, Friedensinitiative, Arbeitsgruppe Verkehr und Heimatmuseum Tiergarten
Elke Gebhardt für ihre Aktivität für den Beusselkiez im Betroffenenrat und beim Kunstprojekt Zentrale Moabit.
Carsten Urbat, genannt Pilot, für sein Engagement in der Werkstatt der Kulturfabrik.
Jouanna Hassoun für ihr Engagement in der Kinder– und Jugendarbeit in Moabit.
Monika Raasch für ihr Engagement im Mieterbeirat und für Nachbarn der Häuser Lehrter Straße 1–4 und 70–75.
Lothar Kohlbach für sein Engagement in der Werkstatt der Kulturfabrik und die Kinder der Lehrter Straße.
Leni Wolf für ihr Engagement im Förderverein der Stadtbibliothek Mitte und ihr jahrzehntelanges Engagement in vielen verschiedenen Gruppen, hier die Laudatio von Jutta Schauer-Oldenburg
Norbert Onken für sein Engagement in der B.I. Siemensstraße, in der AG gegen Spielhallen und als Quartiersrat in Moabit West